Grundlagen

Ausführlicher Lebenslauf: Aufbau, Muster und Beispiel

Ganze Sätze statt Datumsspalte: Wer ein Stipendium, eine Verbeamtung oder eine Stelle bei einem kirchlichen Träger anstrebt, wird danach gefragt. Aufbau, Formulierung und zwei Ausschnitte zum Nachbauen.

Ein ausformulierter Lebenslauf liegt neben der tabellarischen Fassung

Manche Bewerbungen verlangen keinen tabellarischen Lebenslauf, sondern einen ausformulierten: ganze Sätze, Ich-Form, ein bis zwei Seiten. Vor allem Stipendien, kirchliche Arbeitgeber und Bewerbungen um eine Verbeamtung fragen danach. Dieser Ratgeber zeigt dir, was in einen ausführlichen Lebenslauf gehört, in welcher Reihenfolge du schreibst und wie ein fertiger Abschnitt aussieht.

Was ist ein ausführlicher Lebenslauf?

Ein ausführlicher Lebenslauf erzählt deinen Werdegang in ganzen Sätzen, in der Ich-Form und in der Reihenfolge, in der er tatsächlich passiert ist. Statt einer Datumsspalte stehen dort Absätze: einer für die Herkunft, einer für die Schulzeit, einer für die Ausbildung oder das Studium und je einer für jede berufliche Station. Die Begriffe ausformulierter Lebenslauf und Lebenslauf in Aufsatzform meinen genau dasselbe Dokument.

Der Unterschied zur Standardform liegt in der Darstellung, nicht im Inhalt. Ein tabellarischer Lebenslauf ordnet die Stationen mit Zeitraum und Stichpunkten untereinander, der ausführliche schreibt dieselben Stationen aus und stellt sie in einen Zusammenhang. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt in ihrer Anleitung zum Lebenslauf die tabellarische Fassung auf maximal zwei Seiten als die Standardform. Erwartet wird sie deshalb in fast jeder Bewerbung, und die ausformulierte kommt nur dazu, wenn jemand ausdrücklich danach fragt.

Zwei Lebenslauf-Seiten im Vergleich: links durchlaufende Absätze ohne Datumsspalte, rechts die tabellarische Form mit schmaler Datumsspalte
Links die ausformulierte Fassung aus vier Absätzen. Rechts dieselben Stationen tabellarisch, mit der Datumsspalte als Anker.

Ausführlich, ausformuliert, handgeschrieben

Drei Bezeichnungen kursieren, und sie meinen nicht alle dasselbe. Ausführlich und ausformuliert beschreiben die Textform, also ganze Sätze statt Stichpunkte. Handgeschrieben beschreibt dagegen nur das Werkzeug. In der Praxis fällt beides zusammen: Wenn eine Ausschreibung einen handschriftlichen Lebenslauf verlangt, ist damit fast immer die Aufsatzform in deiner eigenen Handschrift gemeint.

Wann ein ausführlicher Lebenslauf verlangt wird

Von allein schickt ihn niemand mit. Er taucht dort auf, wo eine Auswahlkommission über Personen entscheidet und nicht nur über Qualifikationen: bei Stipendien, bei kirchlichen Trägern, vor einer Verbeamtung und bei manchen Promotions- und Förderprogrammen. Bei Promotion und Förderung erwartet die Kommission zusätzlich einen Absatz zum fachlichen Interesse und zum Ziel der Arbeit. In der freien Wirtschaft wird er praktisch nie gefordert.

AnlassWer fragt danachÜbliche Form
StipendiumBegabtenförderungswerke, StiftungenGetippt, ein bis zwei Seiten
Kirchlicher ArbeitgeberDiakonie, Caritas, LandeskirchenGetippt, ein bis zwei Seiten
VerbeamtungBehörden, Polizei, SchuldienstOft handschriftlich, sonst getippt
Promotion und FörderungLehrstühle, GraduiertenkollegsGetippt, ein bis zwei Seiten
Freie WirtschaftUnternehmen jeder GrößeNicht verlangt, die Tabelle genügt

Lies die Ausschreibung Wort für Wort, bevor du anfängst. „Ausführlicher Lebenslauf“ und „Lebenslauf in Aufsatzform“ meinen dasselbe Dokument, „handschriftlich“ verlangt zusätzlich deine eigene Handschrift, und ein getipptes Blatt fällt dort sofort auf. Fehlt jeder Hinweis dieser Art, bleibt es bei der tabellarischen Fassung.

Aufbau: welche Abschnitte in welcher Reihenfolge

Der ausführliche Lebenslauf läuft chronologisch vorwärts, und das ist der zweite große Unterschied zur tabellarischen Form. Du beginnst bei der Herkunft und der Schulzeit und endest bei deiner heutigen Tätigkeit. Rückwärts zu schreiben wirkt in einem Fließtext sprunghaft, weil jeder Absatz auf dem vorigen aufbaut.

Der Aufbau eines ausführlichen Lebenslaufs von oben nach unten: Herkunft, Schulbildung, beruflicher Werdegang und die Unterschrift am Seitenfuß
Vier Blöcke von oben nach unten. Der berufliche Werdegang bekommt den meisten Platz, die Herkunft die wenigsten Zeilen.

Der Einstieg mit den persönlichen Daten

Der erste Absatz nennt Namen, Geburtsdatum und Geburtsort und ordnet dich zeitlich ein. Zwei bis drei Sätze reichen dafür. Ein Foto ist auch in dieser Form freiwillig, denn das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz untersagt die Benachteiligung wegen der in § 1 AGG genannten Merkmale, und ein Bild transportiert die meisten davon mit.

Weil dieses Dokument mehr über dich preisgibt als eine Tabelle, lohnt ein zweiter Blick auf das, was hineinkommt. Familienstand, Konfession und die Berufe der Eltern standen früher regelmäßig darin und gehören heute nur hinein, wenn ein Träger sie ausdrücklich erfragt. Die Verarbeitung dieser Angaben bindet § 26 BDSG an den Zweck des Bewerbungsverfahrens.

Schulbildung und Ausbildung

Die Schulzeit braucht hier zwei bis drei Sätze, während der Bildungsweg im tabellarischen Lebenslauf mit Zeitraum, Schulform und Abschluss auskommt. Nenne die Schule, den Ort, das Abschlussjahr und den Abschluss, dazu ein Fach oder eine Tätigkeit, die zur angestrebten Stelle passt. Alles andere aus der Schulzeit bleibt draußen.

Beruflicher Werdegang

Jede Station bekommt einen Absatz: Zeitraum, Arbeitgeber, Ort, Aufgabe und ein Ergebnis, das jemand nachprüfen kann. Der Vorteil dieser Form liegt genau hier, denn ein Fließtext kann Übergänge begründen, die eine Tabelle nur als Datum ausweist. Ein Branchenwechsel, eine Elternzeit oder ein Auslandsjahr bekommen einen Halbsatz und sind damit erledigt.

Der Schluss: Ort, Datum, Unterschrift

Der letzte Absatz sagt in zwei Sätzen, worauf das Ganze hinausläuft: was du jetzt suchst und warum diese Stelle oder dieses Stipendium dazu passt. Darunter stehen Ort und Datum, darunter deine Unterschrift. Ohne sie wirkt das Dokument unfertig, und bei Stiftungen und Behörden wird sie erwartet.

Muster: ein ausführlicher Lebenslauf in Ausschnitten

Zwei Ausschnitte treffen die Tonlage besser als jede Regel. Der erste ist der Einstieg, der zweite eine berufliche Station aus der Mitte des Textes.

Der Ton bleibt dabei sachlich. „Ich wuchs behütet auf“ und „schon als Kind faszinierten mich Maschinen“ sind die zwei häufigsten Sätze in schwachen ausführlichen Lebensläufen. Sie sagen nichts über dich und kosten den Platz, den die berufliche Station braucht.

Beide Ausschnitte tragen Jahreszahlen, Orte und Zahlen, und daran erkennt eine Kommission, dass der Text aus einem echten Werdegang stammt. Die tabellarische Fassung, die daneben in der Bewerbung liegt, baust du am schnellsten aus einem fertigen Muster für den Lebenslauf nach.

Formulierung: ganze Sätze ohne Erzählton

Die häufigste Falle ist der Ton. Ein ausführlicher Lebenslauf ist kein Aufsatz über dein Leben, sondern ein Bericht über deinen Werdegang. Schreib in der Ich-Form, im Präteritum für Vergangenes und im Präsens für die aktuelle Tätigkeit, und halte jeden Satz bei einer Aussage.

Länge, Format und die Frage nach der Handschrift

Ein ausformulierter Absatz braucht mehr Platz als dieselbe Station in einer Tabelle, und trotzdem bleibt es bei ein bis zwei Seiten: Ein Absatz pro Lebensabschnitt und einer pro beruflicher Station ergeben diese Länge fast von selbst. Für die dritte Seite gelten dieselben Ausnahmen wie bei der Länge des tabellarischen Lebenslaufs: Wissenschaft, sehr lange Führungslaufbahnen und eine Ausschreibung, die ausdrücklich mehr verlangt. Wer ohne einen dieser Anlässe darüber hinauskommt, hat zu viel erzählt und zu wenig ausgewählt.

Wenn Handschrift verlangt wird

Ein handgeschriebener Lebenslauf wird noch bei einzelnen Behörden, im Schuldienst und vor einer Verbeamtung gefordert, meist mit der Begründung, die Handschrift gebe einen zusätzlichen Eindruck von der Person. Nimm unliniertes weißes Papier im Format A4, einen blauen oder schwarzen Stift und schreib ohne Korrekturen durch.

Plan zwei Anläufe ein und leg ein liniertes Blatt darunter, damit die Zeilen gerade bleiben. Scanne die fertige Seite anschließend mit 300 dpi ein, bevor du sie abschickst, denn erfahrungsgemäß brauchst du sie ein zweites Mal. Getippt und danach unterschrieben ist etwas anderes und wird als Fehler gewertet, wo ausdrücklich Handschrift gefordert war.

Der ausführliche Lebenslauf ersetzt den tabellarischen nicht

Beide Dokumente liegen nebeneinander in der Bewerbung: die tabellarische Fassung als Übersicht, die ausformulierte als Text. Wer nur den Fließtext schickt, zwingt die Auswahlkommission dazu, sich Jahreszahlen und Abschlüsse aus den Absätzen herauszusuchen, und genau diese Arbeit nimmt eine Tabelle ab.

Die Substanz stammt in beiden Fällen aus denselben Stationen, die du beim Schreiben des Lebenslaufs ohnehin sortierst. Der ausführliche Lebenslauf ist die zweite Fassung derselben Angaben, nicht ein zweiter Werdegang. Weichen Jahreszahlen zwischen den beiden Dokumenten voneinander ab, fällt das sofort auf und kostet mehr Vertrauen als jeder Formulierungsfehler.

Häufige Fragen

Was gehört in einen ausführlichen Lebenslauf?

Persönliche Daten, Schulbildung, Ausbildung oder Studium, der berufliche Werdegang und ein kurzer Schluss mit Ort, Datum und Unterschrift. Alles davon steht in ganzen Sätzen und in der Ich-Form. Besondere Kenntnisse und ehrenamtliches Engagement bekommen einen eigenen Absatz, wenn sie zur angestrebten Stelle passen.

Was bedeutet ausformulierter Lebenslauf?

Ausformuliert heißt, dass der Lebenslauf in ganzen Sätzen geschrieben ist statt in Stichpunkten. Der Begriff meint dasselbe wie ausführlicher Lebenslauf oder Lebenslauf in Aufsatzform. Er sagt nichts darüber aus, ob du den Text tippst oder mit der Hand schreibst.

Wie schreibe ich einen Lebenslauf als Fließtext?

Chronologisch vorwärts, in der Ich-Form, mit einem Absatz je Lebensabschnitt und je beruflicher Station. Vergangenes steht im Präteritum, die aktuelle Tätigkeit im Präsens. Jeder Absatz nennt Zeitraum, Ort und ein nachprüfbares Ergebnis, damit der Text nicht ins Erzählen kippt.

Wie lang ist ein ausführlicher Lebenslauf?

Ein bis zwei Seiten. Ein Absatz pro Lebensabschnitt und einer pro beruflicher Station ergeben diese Länge fast von selbst. Wird der Text länger, liegt es fast immer an der Kindheit oder an Nebenjobs ohne Bezug zur angestrebten Stelle.

Wann wird ein handgeschriebener Lebenslauf verlangt?

Fast nur im öffentlichen Dienst, im Schuldienst und vor einer Verbeamtung, und dort ausdrücklich in der Ausschreibung. Fehlt dieser Hinweis, reicht die getippte Fassung. Schreib in dem Fall auf unliniertem weißem Papier mit blauem oder schwarzem Stift und ohne Korrekturen.

Brauche ich zusätzlich einen tabellarischen Lebenslauf?

Ja, in aller Regel. Der ausführliche Lebenslauf liegt neben der tabellarischen Fassung und ersetzt sie nicht. Nur wenn eine Ausschreibung ausdrücklich allein den ausformulierten Lebenslauf verlangt, reichst du ein einzelnes Dokument ein.

Gehört ein Foto in den ausführlichen Lebenslauf?

Freiwillig, wie in jeder Bewerbung. Bei Stipendien und kirchlichen Trägern ist ein Bild üblich und sitzt dann oben rechts auf der ersten Seite. Trägt die tabellarische Fassung bereits ein Foto, genügt das, denn zweimal dasselbe Bild wirkt unaufmerksam.

Wird ein ausführlicher Lebenslauf unterschrieben?

Ja, mit Ort, Datum und handschriftlicher Unterschrift unter dem letzten Absatz. Bei Stiftungen und Behörden gilt die Unterschrift als Bestätigung, dass die Angaben stimmen. In digitalen Bewerbungen wird eine eingescannte Unterschrift akzeptiert.